„Sammlung Lamm“ im Stadtarchiv: ein Schatz für Hollabrunn
Wenn jemand über Jahrzehnte hinweg sammelt, dann kommt einiges zusammen. Wenn dieser jemand aber Dr. Werner Lamm heißt, dann entsteht daraus ein wahrer Schatz für unsere Stadt.
- 17.1.2026
Der ehemalige Vizebürgermeister hat seine beeindruckende historische Sammlung dem Stadtarchiv Hollabrunn übergeben - und damit nicht weniger als über 60 Jahre Sammelleidenschaft in gute Hände gelegt. Sieben Bananenschachteln, unzählige Fotos und elf dicke Ordner erzählen künftig als "Sammlung Lamm" die Geschichte von Hollabrunn und dem westlichen Weinviertel.
Begonnen hat alles schon in jungen Jahren - mit Neugier, einem Gespür für Geschichte und wohl auch einer Portion Hartnäckigkeit. So füllte sich nach und nach eine ungenutzte Dachkammer mit historischen Schätzen. Einen zusätzlichen Anstoß bekam Lamm während seiner Zeit in der Wirtschaftskammer: In der Rubrik "NÖ neu entdeckt" wurden viele Regionen vorgestellt - nur das westliche Weinviertel fehlte. Für ihn Grund genug, selbst aktiv zu werden und die Geschichte seiner Heimat zusammenzutragen. Auch seine Frau Ingrid Lamm spendete ein besonderes Stück: Das Maturafoto ihrer Mutter ist das erste Maturabild der Frauenoberschule (heute BG/BRG Hollabrunn) aus dem Jahr 1927.
Dr. Werner Lamm, Jahrgang 1943, ist nicht nur leidenschaftlicher Sammler, sondern auch Autor mehrerer Bücher über Hollabrunn und das westliche Weinviertel. Seine Dachkammer wird sich, so meinte wohl wieder füllen - ein bisschen Material gibt es ja noch.
Archivar Mag. Gottfried Böck zeigt sich begeistert über die Schenkung, die einen unschätzbarer Beitrag zur Bewahrung der regionalen Geschichte und einen wertvoller Fundus für alle Hollabrunner:innen darstellt. Als kleines Dankeschön übergibt er dem Spender eine Dokumentenmappe zu seiner eigenen Familiengeschichte. Werner Lamm, der selbst nicht viel über seinen früh verstorbenen Vater weiß, freute sich sehr über die zusätzlichen Informationen.
Nachahmer erwünscht
Mit der Übergabe seiner Sammlung setzt Lamm ein starkes Zeichen - und liefert gleich eine Einladung an alle: Historische Schätze schlummern oft in Kellern, Dachböden oder Schubladen. Das Stadtarchiv freut sich über solche Funde - ob als Schenkung oder Leihgabe zum Digitalisieren. Denn was heute unscheinbar wirkt, kann morgen ein wertvolles Stück Zeitgeschichte sein.
Und auch digital tut sich einiges: Ein großes Projekt zur Erfassung von Sterbeparten und Sterbebildern ab 1871 läuft bereits auf Hochtouren, da das die am häufigsten Nachgefragten Unterlagen sind. Erste Ergebnisse werden demnächst auf www.stadtarchivhollabrunn.findbuch.net verfügbar sein.
Aktuell engagieren sich 13 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im Stadtarchiv. Sie ordnen, digitalisieren und archivieren - und freuen sich über weitere Unterstützung, etwa bei der Aufarbeitung des umfangreichen Fotoarchivs.
Neugierig geworden?
Das Archiv ist vor etwa einem Jahr aus dem ehemaligen Gerichtsgebäude am Koliskoplatz in die Räumlichkeiten der alten Volksschule am Kirchenplatz übersiedelt - heller, zentraler und sichtbarer. "Die Besucherfreuquenz ist deutlich gestiegen", freut sich Archivar Böck. Wer Dienstag nur schwer Zeit hat, der sollte ich den 11. April rot im Kalender anstreichen: Das Hollabrunner Stadtarchiv lädt von 13 bis 17 Uhr zum Tag der offenen Tür!
Foto: vlnr: Gottfried Böck, Ingrid und Dr. Werner Lamm. Fotocredit: Stadtgemeinde Hollabrunn